herausgegeben von Eva Mair-Holmes, Achim Bergmann und Andreas Koll


Der Mensch wird erst lebendig durch die Sprache heißt es bei Ödön von Horvàth.

Über die gesprochene Sprache eignen wir uns die Welt an, erfahren wir unser Leben, in ihr denken wir, fühlen wir, träumen wir - und sie erzählt uns von den Gedanken, dem Wesen und den Eigenarten der anderen und umgekehrt.

Die mündliche Sprache existiert im Augenblick des Sagens. Denk- und Sprecharten, Lebensformen und Eigenarten bilden einen Schutz vor behaupteter Objektivität und dem Trommelfeuer der vorgegebenen Schriftsprache. Nachdem Dialekte, Slangs, und Alltagssprachen immer schon scharf getrennt sind vom gelernten und geschriebenen Hochdeutsch, tauchen sie in der Öffentlichkeit oft nur als abgewertete, spannungslose Folklore auf.

Stell dir Menschen vor, die nur laut denken könnten sagt der Philosoph Wittgenstein. Was für ein Stimmengewirr, was für eine Vielfalt im Gemeinsamen, was für eine Genauigkeit täte sich da auf.

Und dann gibt es quasi ein Allgemeingut an Stimmen. Stimmen aus dem Radio die uns in Vergangenes zurück katapultieren, den Kommissar im Fernsehen, den Moderator unserer Lieblingssendung, den Kasperl auf der Kinder-Kassette von vor vielen Jahren, den Volksschauspieler mit seiner unverwechselbaren Klangfärbung, das rollende „R“ der Nachrichtensprecherin aus einer Zeit in der es nur ein Fernsehprogramm gab, usw. usw.

Es geht um Rhythmus und Melodien des Denkens in denen gemeinsame individuelle Erfahrungen zusammenfließen und plötzlich von allen erkannt und verstanden werden können. Generationen sind mit diesen Stimmen groß geworden. Sie beinhalten Klischees und Abgrund, Verschrobenheit und Sentimentalität. Jeder kann sich darin wiederfinden. Diese Stimmen und der Klang ihrer Sprache verkörpern gleichsam die »bayerische Übereinkunft«, sie sind das »Einheimisch Sein« jedes einzelnen. Sie stehen für den Klang Bayerns. Sie sind ihr populärster Ausdruck.

STIMMEN BAYERNS ist eine CD-Reihe des Trikont Verlags. Bisher erschienen:
STIMMEN BAYERNS