»Du hast keine Chance, Junge«, hatte er ihm düster gesagt. »Sie hassen alle Juden«.
»Aber ich bin doch kein Jude«, erwiderte Clevinger.
»Das macht keinen Unterschied«, versprach Yossarián, und Yossarián hatte recht.
»Sie haben es auf uns alle abgesehen.«

Trikont US-0292

Trikont US-0291

Jüdische Künstler bestimmten maßgeblich die populäre Unterhaltung der Zwischenkriegszeit. Als sie 1935 mit Auftrittsverbot belegt wurden, verwandelten sich die dicken Kataloge der Schallplattenfirmen in dünne Heftchen. Da sich die Juden in Deutschland und Österreich in ihrer großen Mehrheit als Deutsche und Österreicher fühlten, war es ihnen ein selbstverständliches Bedürfnis als solche ihre vielleicht etwas andere Sicht der Welt einzubringen zu können. Wie wenige sonst waren daher jüdische Künstler fähig mit scharfsinnigem Blick das Wesentliche im Alltagsleben der Menschen um sie herum zu erkennen, um dann diese Erkenntnis in >einfachen Humor<, in >tagtägliches Lachen<, in ein >simples Lied<, oder in >alltäglichen Witz< zu verwandeln. Mit enormem Können und einer große Liebe dem Publikum gegenüber treffen ihre Lieder und Geschichten die Seelen der Menschen. Sie prägten den Willen zur Ausgelassenheit und Lebensfreude in den oft gar nicht so »Goldenen Zwanziger-jahren« und waren international die besten Botschafter eines neuen, weltoffenen, liberalen und durch geistvollen Humor geprägten Deutschlands.

Diese beiden CDs machen auf eindringliche Weise deutlich: Ohne das Wirken jüdischer Künstler wäre das, was uns bis heute als hiesige Kultur heimisch und vertraut ist, so undenkbar. Die Auslöschung des Judentums ist identisch mit der Auslöschung deutschsprachiger Kultur, bedeutet nicht nur Vernichtung eines Teils, der in sich geschlossen immer auch als entbehrlich gedacht werden kann, sondern die Zerstörung des Ganzen.

Das Wesen der durch jüdische Künstler geformten Unterhaltung kann man kaum besser beschreiben, als dies der heute vergessene Schriftsteller Arthur Landsberger in seinem Roman »Berlin ohne Juden« tut, indem er bereits 1925 das kommende Schicksal der Juden vorausahnt:

»Die Menschen rennen aneinander vorbei und verstehen sich nicht. Das liegt nicht daran, daß sie (...) verschiedene Sprachen sprechen. Ihre Einstellung ist eine verschiedene. Und doch gibt es einen Ton, den sie alle verstehen. Irgend etwas, was nicht in der Erde wurzelt, mit der sie verwachsen sind, etwas, was schwingt, gewiß nicht tief und wertvoll ist, aber sich doch irgendwie jedem mitteilt. Es st nichts Gedankliches und auch nichts Gefühlsmäßiges, es sind auch nicht die berühmten Les petits riens des täglichen Lebens; es ist Atmosphäre, Melodie, die unhörbar mit allem Geschehen mitschwingt und in jeder Menschheitsepoche eine andere ist. (…) Das ist etwas Unbewußtes, feiner noch als Instinkt. Der Engländer hat’s und vor allem der Jude! Die Melodie der Zeit schwingt in ihm. Er fängt sie ein und gibt dem Wesenlosen Form und Ausdruck … er hat die Melodie der Zeit im Ohr. Er liest sie ab wie der Musikant die Noten. Das internationale Orchester wird von ihm dirigiert.«

Diese CDs sind ein DENKMAL für das Schaffen und Wirken der meist vergessenen jüdischen Künstlerinnen und Künstler.

populäre jüdische Künstler
herausgegeben von Chaim Frank und Andreas Koll

Kistlerstrasse 1 / Postfach 90 19 55 /
81510 München
Tel: 089 /692 89 07 / Fax: 089 /692 72 04
www.trikont.de / E-mail: trikont@trikont.de

Josef Heller: >Catch22<
..... Zu den vergessenen gehören aber auch die vielen Sänger und Musikanten, die als >Dialekt-künstler< zu herausragenden Vertretern regionaler Unterhaltungskunst und Lebensart wurden. Auch sie verkörperten den Inbegriff dessen, worauf der typische Schwabe, Berliner, oder Bayer stolz sein konnte. Die Gebrüder Wolf zum Beispiel waren die orginellsten und beliebtesten Volkssänger Hamburgs, das Paradebeispiel des typischen >Hamburger Jung<. Ihre Sprache war Plattdeutsch, ihr größter Hit >Snuten un Poten<. Auch Sie erhielten ab 1935 Auftrittsverbot. Von da an gab es ihre Späße nur noch im Rahmen der Veranstaltungen des jüdischen Kulturbundes. Als sie hier ihr erfolgreichstes Lied, jenes >Snuten un Poten< singen wollten, wurde dies von den Nazis verboten. Die Begründung: »zu deutsch«. .....
populäre Jüdische Künstler
Berlin Hamburg München
Musik & Entertainment 1903-1933
Trikont US-0292
Digipack Doppel-CD mit zwei ausführilchen, 28seitigen Booklets,
47 Musikstücke.
populäre Jüdische Künstler
Wien
Musik & Entertainment 1903-1936
Trikont US-0291
Digipack-CD mit einem ausführlichen 28seitigen Booklet, 25 Musikstücke.
Bereits 1925 breitete der Schriftsteller Athur Landsberger in seinem visionären Roman „Berlin ohne Juden“ folgende Szenerie aus:

Der durch einen erdrutschartigen Wahlerfolg an die Regierung gekommene »Nationalverband« beschließt als erste >Amtshandlung< ein Gesetz, das alle Juden zwingt Deutschland zu verlassen. Für die Zeit der Ausweisung plant man im Propagenda-Büro des »Nationalverbandes« ein rauschendes Fest unter dem Motto »Germania libera«. In diesem Zusammenhang entwickelt sich folgender Dialog:

»Gehen Sie zu einem populären Komponisten. Er soll uns einen Marsch komponieren: >Germania libera<, den zwangsweise jedes Orchester in den Theatern, Kinos, Restaurants und Kabaretts allabendlich ein dutzendmal spielen muß. Unter den Klängen und dem Gesang dieses Marsches muß sich der Auszug der Juden vollziehen.«
»Das wird sich schwer machen lassen.«
»Wieso? Es darf natürlich kein Opernkomponist sein, sondern jemand, der den Ton kennt, auf den das deutsche Gemüt reagiert, damit jeder, der die Melodie einmal hört, mitsingen kann. Gilbert zum Beispiel.«
»Ich werde mit ihm sprechen. Aber«, sagte er zaghaft, »Gilbert heißt Winterfeld und ist selbst ein Jude.«
»Das geht natürlich nicht. Dann nehmen Sie Lehar, den Mann der >Lustigen Witwe<. Der trifft den Ton, den wir Deutsche am meisten lieben.«
»Ebenfalls Jude!«
»Das ist ja ekelhaft. Ja, wer käme denn sonst in Frage? So nennen Sie doch Namen! Es gibt doch Dutzende!«
»Oskar Straus, Benatzky, Jaap Kohl, Winterberg, Nelson, Kollo, Hirsch ...«
»Hirsch geht doch nicht. Aber wie wär’s mit Nelson?«
»Heißt in Wirklichkeit Levinsohn.«
»Hören Sie auf«, wehrte v. Fürsten ab.
»Die ich nannte, sind sämtlich Juden.«
»Es bliebe nur Richard Strauß.«
»Der hat aber den Aufruf gegen das Gesetz unterzeichnet.«
»Siegfried Wagner, der täte es, denn er ist Mitglied des Nationalverbandes.«
»Herr! Glauben Sie, daß es auch nur einen Menschen aus dem Volke gibt, der eine Melodie von Siegfried Wagner mitsingen kann?«
»Nein. Das glaube ich nicht.« - »Was tun wir also?«
»Sie werden gezwungen sein, auf einen Juden zurückzugreifen.«

Max Hansen:

Warn sie schon mal in mich verliebt
(1928)

Wenn man frech ist schimpfen d’Leut
über diese Dreistigkeit,
auch wenn man bescheiden ist,
man nicht zu beneiden ist,
ich sag alles grad heraus,
da mach ich mir gar nichts d’raus,
wenn ich eine schöne Frau seh
rutscht mir’s raus:

War’n Sie schon mal in mich verliebt,
das ist das schönste was es gibt,
haben Sie schon mal von mir geträumt,
da haben Sie wirklich was versäumt.
Ich bin nicht groß, ich bin nicht klein,
ich paß grad so in alles rein,
ich bin nicht g’scheit, ich bin nicht dumm,
das spricht sich jetzt schon langsam rum,
bei mir haben Sie nichts zu riskier’n,
wie wär’s denn,
woll’n Sie’s nicht einmal mit mir probiern?

Hitler und der Sigi Cohn
kennen sich seit Jahren schon,
eines Tages geh’n sie aus,
miteinand’ ins Hofbräuhaus.
Doch schon nach der fünften Mass,
werden Hitlers Augen nass,
er umarmt den Sigi Cohn
und stottert blass:

Warst Du schon mal in mich verliebt,
das ist das schönste was es gibt,
hast Du schon mal von mir geträumt,
da haste wirklich nichts versäumt.
Ich bin nicht groß, ich bin ganz klein,
ich paß grad so nach München rein,
ich bin nicht dumm, ich bin nicht g’scheit,
am grössten Dreck hab ich mei Freud,
die Freundschaft kannst Du ruhig riskier’n,
denn unter uns g’sagt;
ich hab nichts mehr zum verliern.

TRIKONT