TRIKONT
MAX OPHÜLS ÜBER KARL VALENTIN

”I mag net”, sagte er, als ich mit ihm in Verhandlungen eintrat. ”Im Kino – i hab amal dös g’sehn, da muss einer durch den Schornstein krabbeln oder ins Wasser springen – dös mog i a net. I unterschreib Ihnen nur was, wenn’s das hineinschreiben, dass i net ins Wasser und net durch den Schornstein muss. … Un wenn S’ wollen, dass i spiel, i kann net sag’n, was gedruckt is; dös müssen S’ mir vorher sag’n, was i sag’n soll. Un allein sag’n kann i’s aa net, da bleib i steck’n. Das Fräulein muss es mit mir sag’n.” Das Fräulein war eine dicke Mamsell, die immer seit Jahr und Tag mit ihm aufrat und ihm immer einhalf, wenn er nicht mehr weiter wusste. Aus seiner Gedächnisnot entstanden diese Dialoge. Sie heißt Liesl Karlstadt.

DER FIRMLING
von Georg Seeßlen

Es kommt bei Valentin nicht darauf an, wie weit einer von Gott entfernt ist, es kommt darauf an, wie er lebt, ob er Geld hat, ob er Macht hat. Das Elend versucht sich in der Sprache hinzustellen, bittend sogar vielleicht, und kann es nicht, aber es ist nicht in der Sprache. Die Wiederholungen, die Verfremdungen, das ist vielleicht der Versuch, Sprache zu behandeln ("wie eine Krankheit" nach Wittgenstein), aber doch dafür, dass sie tauglich werde, das Elend zu beschreiben, damit es wenigstens dies noch geben dürfte: die Klage, zu der die Sprache schon untauglich geworden ist. Sie macht uns falsch, mutiger und härter, als wir sind: Man möchte etwas über den eigenen Schmerz sagen und kriegt nur etwas Hässliches über den Nachbarn zustande.

"What have you lost, Mulla?" - "My key," said Nasrudin. After a few minutes of searching, the other man said, "Where did you drop it?" - "At home." - "Then why, for heaven's sake, are you looking here?" - "There is more light here."
This is one of the most famous of all Nasrudin tales, used by many Sufis, commenting upon people who seek exotic sources for enlightenment. Acting it on the stage was a part of the repertoire of Karl Vallentin, the late "metaphysical clown" of Munich.

von Idries Shah

GRUNDLOS AN VALENTIN ERINNERN
von Herbert Achternbusch

Und mein Arzt ist selber krank. Eine Erkrankung, die man verschämt am Telefon nicht aus-spricht - den zweiten Monat schon. Wie geht es Ihnen, habe ich ihn immer in seiner Praxis begrüßt, und er erzählte mir aus seinem Leben, er ist auch Therapeut. Ich kam nicht dazu, von meinen Leiden zu berichten. So schob ich dazwischen, dass ich eine neue Freundin habe, die sei aber immer krank. Um Gottes Willen, rief er aus, bloß das nicht, was wollen Sie mit einer kranken?!

ES DARF KEINE PEINLICHKEIT GEBEN,
DIE WIR NICHT IN DIE HAND NEHMEN WÜRDEN
von Alexeij Sagerer
Und so verbrachten die Liesl Kar-stadt und ich eine herrliche Zeit zusammen im Büro in Plattling. Karl Valentin war natürlich wie immer ziemlich eifersüchtig. Und so lernte ich schon in jungen Jah-ren von Karl Valentin die Eifer-sucht.
KARL VALENTIN IST FÜR MICH EINER DER GRÖSSTEN!
von Christoph Schlingensief
Karl Valentin ist für mich einer der größten ! für mich so etwas wie der deutsche bunuel und natürlich eine absolut konsequente spiege-lung adolf hitlers. Krieg führen im größten durch störung im klein-sten. Kein einfacher kalauer, son-dern der genüssliche abrieb zu hoch eingeschätzter zusammen-hänge. (...) Das ist Valentin, das ist universeller angriff ohne jeden anlass und deshalb mit aussicht auf größte Wirkung.
herausgegeben von Andreas Koll
Keinem anderen deutschsprachigen Künstler des 20. Jahrhunderts gelang es so die Visionen und Tragödien der Moderne mit den traditionellen Formen populärer Unterhaltung zu verbinden wie Karl Valentin. Die bis heute gängige Art ihn als neurotischen Querdenker ab zu tun, als Wortver-dreher oder gar als Spaßmacher, wird ihm in keiner Weise gerecht. Denn Valentin spielt nicht, führt nicht vor, tut nicht als ob, sondern lässt stattfinden. Seine Szenen sind Ereignisse und entsprechen unmittelbar den Lebenserfahrungen der einfachen Leute seiner Generation. Karl Valentin ist Realist, er bildet ab, was er hört und sieht, erstellt quasi Samples der Wirklichkeit, um diese dann zu Geschichten, Szenen oder Bildern zu komponieren. Valentin zeigt nur die Essenz. Aus spitzem Winkel schaut er auf die Welt. Dies macht ihn zum Volks-künstler, zu einem der ersten deutschsprachigen Pop-Künstler des 20. Jahrhunderts.

Andreas Koll